Michèle Lefebvre: Daniel, lassen Sie uns auf das Buch „Berichte von Astralreisen“ zurückkommen. Können Sie uns etwas mehr über die Erfahrungen, die Sie darin schildern, erzählen?

Daniel Meurois: Statt von diesen Erfahrungen zu erzählen würde ich viel lieber über den Schlüssel sprechen, der zu diesen Erfahrungen geführt hat… Denn der Schlüssel ist zunächst wichtiger als die unzähligen Details dieser Erfahrungen. Er kam zu mir eines Tages, als ich mich außerhalb meines Körpers befand und feststellte, dass ich einen bestimmten Summton in meinem Inneren vernahm, dessen Frequenz entsprechend meinem Geisteszustand variierte. Der Ton konnte sehr hoch oder sehr tief sein, er blieb nicht immer gleich und hing von meinem momentanen Zustand ab.
Zum Beispiel, falls ich meinen Körper verließ, wenn ich nicht sehr fit war oder persönliche Sorgen in meinem Leben hatte, stellte ich fest, dass diese Vibration zu einem sehr tiefen Brummen wurde, das mich über kurz oder lang in meinen physischen Körper zurückholte. Umgekehrt, wenn ich besonders entspannt, glücklich oder fröhlich war, wurde der Ton sehr hoch und kristallklar.
Eines Tages, bei einer solchen Erfahrung, wo ich besonders entspannt war, änderte sich alles. Der innere Ton wurde immer kristallklarer und irgendwann, ohne dass ich wusste, dass es möglich war, sah ich mich von einer Lichtspirale angezogen und in diese hineingesaugt. Heute weiß ich, was diese Lichtspirale bedeutet; einige sehen sie wie einen dunklen Tunnel mit Licht am Ende. In meinem Fall war das Licht überall. Heute kann man sagen, dass diese Erfahrung einer Nahtoderfahrung entspricht, aber damals war es mir nicht bewusst; man sprach nicht von solchen Dingen.
Ich habe mich in diese Lichtspirale völlig hineinziehen lassen – es war nicht schmerzhaft, im Gegenteil, ich empfand eine Art Seligkeit dabei – und irgendwann wurde ich ans Ende der Lichtspirale geschleudert und da fand ich mich in einer Welt von unsäglicher Schönheit, in einer Welt, wo alles Licht war; und das war nicht vage und verschwommen, wie man von manchen schlecht dokumentierten Filmen kennt. Alles war außerordentlich konkret. Das erste Mal fand ich mich in einer sehr schönen Naturecke, rein und unberührt. Ich sah mich in meinem Körper, der sich in diesem Raum vollständig wieder hergestellt hatte; ich sah meine Füße und wie sich die Grashalme unter meinen Schritten bogen. Erstaunlicherweise gab es in diesem Ort keinen Schatten. Ich hatte das Gefühl, dass alles, was sich dort befand, vom Licht durchflutet war.
In dieser Welt – denn es war wirklich eine Welt und nicht ein einfaches Dekor – kam dann sehr bald ein Wesen auf mich zu und stellte sich vor. Es handelte sich um das Wesen, von dem in „Berichte von Astralreisen“ die Rede ist und das ich „das Wesen mit dem blauen Gesicht“ genannt habe. Er ist es, der mich einige Jahre lang auf meinem Weg geleitet hat.
An diesem Punkt habe ich verstanden, dass die Welt, in die mein Bewusstsein unbeabsichtigt eingetreten war, Teil des Jenseits oder des „Reiches der Toten“ war, von dem so viel die Rede ist. Obwohl man eigentlich vom Reich der Lebendigen sprechen soll… sogar der Hyperlebendigen! Nach dieser Erfahrung (die ich anschließend unzählige Male wiederholen konnte) habe ich wirklich verstanden, dass diese Welt dem Reich der Seele entsprach und dass der energetische Körper, in dem ich mich bewegte, der menschlichen Seele entsprach. Sobald mir die Wirklichkeit des astralen Körpers bewusst wurde, habe ich ihn als einen halb-gasförmigen, halb-elektrischen Körper außerhalb des physischen Körpers wahrgenommen. Dennoch, wenn ich mich in diesem Raum befand, von dem ich gerade gesprochen habe, war dieser Körper wirklich fühlbar, ein fleischlicher Körper; dieser Körper erschien mir aber vom selben Licht erfüllt zu sein wie die Natur, die ich sah.
Von da an bin ich in dieser Welt einer Anzahl von desinkarnierten Wesen begegnet, die man als „Tote“ bezeichnet und es war mir klar, dass sie völlig lebendig waren. Es war wie die Rückseite der Fassade unserer Welt.
„Berichte von Astralreisen“ und andere Bücher wurden auf der Basis meiner Erfahrungen in dieser Welt und anderen geschrieben. Von da an war es, als ob sich ein ganzes Spektrum vor meinem Bewusstsein öffnete. Das war der wirkliche Anfang meiner Arbeit. Es ist 1977 passiert und Ende 1977, auf Wunsch des blauen Wesens, des Lichtwesens, der mein Führer in dieser Welt war, habe ich angefangen zu schreiben. Ich habe etwas mehr als zwei Jahre gebraucht, um mein erstes Buch zu schreiben, das im 1980 erschienen ist.

Ich muss sagen, dass die Erfahrungen, die ich gemacht habe, so zahlreich sind, dass ich sie jetzt nicht alle aufzählen kann. Aber so ist es passiert, ganz spontan, und das hat mich zu verstehen gegeben, dass ich damit einen Schlüssel, ein unglaubliches Privileg, hatte und dass meine Aufgabe in diesem Leben zunächst darin bestand, das Phänomen des Todes zu entdramatisieren und denjenigen, die es hören wollten, verständlich zu machen, dass sich das Leben nicht auf dem physischen Körper begrenzt und dass die Seele kein Symbol ist… und darüber hinaus eine Welle der Hoffnung zu erzeugen; denn wenn man keine Angst mehr hat vor dem Tod, oder wenn man ihn relativieren kann, wenn man erkennt, dass er eine Tür darstellt, durch die man gehen muss, eine Schwelle, die man überschreiten muss, dann hat man viel weniger Angst vorm Leben und das ändert alles!
Von da an findet allmählich ein echter Prozess der Bewusstwerdung auf der spirituellen – und nicht religiösen – Ebene statt. Dieser Bewusstwerdung habe ich dann mein Leben gewidmet, denn es erschien mir wichtiger als alles andere.

M.L.: Aber, Daniel, haben Sie nicht als inkarnierter Mensch Schwierigkeiten gehabt, in Ihren physischen Körper zurückzukehren?

D.M.: Es hat Momente gegeben, am Anfang, wo ich tatsächlich Schwierigkeiten gehabt habe, weil ich bei der Rückkehr in meinen physischen Körper das Gefühl hatte, in eine Art… das Wort mag übertrieben erscheinen… aber ich würde sagen, in eine Art Mülleimer zurück zu kommen! Ich musste mich an die Grobstofflichkeit meines Körpers wieder gewöhnen, und dieser Körper wiederum befand sich in einer sehr materiellen Welt – die Welt, die wir jeden Tag erleben. Aber diese Schwierigkeit ist sehr sehr schnell der Erkenntnis gewichen, dass wir nicht allein Wesen aus Fleisch und Blut sind, deren Körper entsprechenden biologischen, chemischen oder elektrischen Gesetzen unterworfen sind… Die Erkenntnis, dass wir viel mehr als das sind, macht uns glücklich, gibt uns eine Art innere Kraft und ermöglicht uns, von der Schwere und den Schwierigkeiten des Alltags Abstand zu nehmen.
Ich sage nicht, dass damit alle Probleme gelöst werden, weit entfernt. Wie alle anderen habe ich auch mal große Probleme in meinem Leben gehabt, also werden die Probleme nicht dadurch beseitigt; wir sind alle inkarnierte Wesen, Wesen aus Fleisch und Blut, und werden deshalb auch damit konfrontiert… Aber diese Erkenntnis gibt uns immer, wenn wir an einem bestimmten Punkt unserer Schwierigkeiten angelangt sind, die Möglichkeit, Luft zu holen, weil wir dann die Prüfung, die wir durchmachen, viel weniger ernst nehmen. Das hat mir im Laufe der Jahre eine Art innere Stabilität, Frieden und Ruhe gegeben. Natürlich ist das nicht immer der Fall, wir haben alle Zeiten, wo wir uns ärgern, aber das gibt uns Stabilität und hilft uns, uns zu zentrieren, was wirklich sehr wichtig ist.

M.L.: Viele Menschen fragen sich ob jeder die Fähigkeit hat, bewusst aus seinem Körper auszutreten, um mit Erinnerungen zurück zu kommen, die so genau sind wie die, die Sie in Ihren Büchern beschreiben.

D.M.: Im Prinzip ja, denn wir sind alle nach dem gleichen Modell, nach dem gleichen Plan gemacht. Die Gottheit, Gott oder der große Chef, oder das Universum – nennen wir diese Kraft, wie wir wollen – hat uns alle ungefähr gleich geschaffen. Demnach ja, genauso wie jeder lernen kann, ein Musikinstrument zu spielen oder mit einem Stift zu zeichnen usw… Ich würde sagen, ja… nur dass jeder mehr oder weniger begabt ist. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Fähigkeit, sein Bewusstsein außerhalb des Körpers zu projizieren – bewusst und absichtlich, versteht sich – sehr wenigen Menschen zugänglich ist.
Warum ich es kann? Ich glaube, dass mein Weg vorgezeichnet war. Im Laufe der Besuche meiner Seele in dieser Welt wurde mir die Realität der Reinkarnation bewusst. Damals war ich nicht darauf vorbereitet, aber die Wahrheit hat sich mir aufgedrängt. Ich habe erlebt, wie Seelen aus dem Jenseits auf die Erde zurückkommen (siehe das Buch „Die neun Schritte ins Leben“). Irgendwann habe ich nicht einmal mehr gedacht: „diese Anschauung gefällt mir und interessiert mich auf intellektueller Ebene“, sondern ganz einfach „man stirbt und man kommt zurück“… nicht unbedingt für immer, denn das ist nicht das Ziel des Lebens, aber bis zu einem bestimmten Punkt; wir müssen zurückkommen, bis wir unsere Seele bereinigt und verfeinert haben.
Um darauf zurück zu kommen, warum ich diese Fähigkeit habe, dies lässt sich mit Sicherheit nur durch die Vorgeschichte meiner Seele erklären; ich hatte die Möglichkeit, eine gewisse Fertigkeit bei dieser Art von Arbeit zu entwickeln, was ziemlich selten vorkommt… ja sogar sehr selten, muss man sagen. Übrigens, auch wenn jeder potentiell die Fähigkeit dazu besitzt, würde ich niemandem raten, sich in dieses „Abenteuer“ zu stürzen, nur weil es interessant ist und weil es im Prinzip jeder kann. Man muss dafür emotional sehr stabil sein, was auf mich im Großen und Ganzen zutrifft. Man muss gesund sein, das war damals der Fall für mich, und außerdem darf man keine Angst haben. Es ist leicht zu sagen: „Ich verstehe das Phänomen, ich werde diese Position einnehmen und dann wird irgendwann dies und das passieren und es wird alles gut gehen, weil ich weiß, worum es geht.“… Nur dass es nicht so funktioniert… Wenn man an der Schwelle des Spaltung ist, geschehen allerlei Phänomene: das Herz fängt an sehr schnell zu schlagen, man kann Herzflattern bekommen, in Panik geraten, alles verschwommen sehen, zittern. Das ist für jeden unterschiedlich.
Und, falls eine außerkörperliche Erfahrung doch zustande kommt, wenn die Rückkehr der Seele in den Körper nicht korrekt und ruhig verläuft, können Übelkeit, starke Kopfschmerzen, Schwindel usw. die Folge sein… Deshalb empfehle ich niemandem, diese Erfahrung zu suchen, es sei denn, das Leben bringt ihn ausdrücklich dazu. Und das Leben, das ist unser Schicksal.
Außerdem darf man gar nicht denken, dass eine solche Erfahrung alle unsere Schwierigkeiten beseitigen und uns zu einem großen Eingeweihten machen wird. Sie ist ein Schlüssel, aber der Schlüssel setzt eine umfangreiche Arbeit an sich selbst voraus und bringt auch Verantwortung mit sich, weil wir dann die Aufgabe haben, diese Informationen an andere weiterzugeben. Das Leben gibt uns nicht ein solches Privileg für unser Vergnügen. Es ist eine Verantwortung, die sehr hohe Ansprüche an uns selbst in unserem Leben stellt.
In diesem Sinne ist es in Niemandes Interesse, eine solche Erfahrung zu suchen und sich in dieses Abenteuer kopflos hineinzustürzen – ohne unpassende Wortspielerei.
Das Leben entscheidet, ob wir ja oder nein in dieser Richtung zu tun haben. So einfach ist das. Wenn es nicht auf unseren Weg gelegt wird, sollten wir nicht danach suchen. Die außerkörperliche Erfahrung ist kein Ziel an sich, sondern ein Schlüssel, der äußerst selten angeboten wird; es gibt viele andere Schlüssel wie Meditation oder Methoden der Selbstentwicklung, die keine Gefahren bergen und in der Lage sind, viel mehr Menschen zu helfen als die Astralreise. Ich rede davon, weil es mein Arbeitswerkzeug ist, aber ich mache keine Propaganda dafür.