Wenn ich heute Muslim wäre, würde ich mich besonders unwohl fühlen. Ich würde mich sowohl beschämt als auch verraten fühlen von all denjenigen, die im Namen meiner Religion, meiner Konfession, meines Glaubens – wie immer man es nennen mag – Tag für Tag die bekannten Gräueltaten begehen.

Es würde mich in der Seele und im Bauch verletzen, wenn ich zusehen müsste, wie sich manche Barbaren auf meine Tradition berufen und diese beschmutzen, und wie sie der Welt eine schändliche Darstellung meiner Religion anbieten.

Wo bleibt da der wahre Islam? Wo sind die wahren, würdigen Muslime inmitten des Gemetzels, wovon die Nachrichten jeden Tag im Überfluss berichten? Wer gibt ihnen das Wort? Werden sie absichtlich stumm gehalten, um zu verhindern, dass sie den wahren Islam wieder herstellen? Und vor allem, wo ist Gott bei all der Gewalt, die angeblich in seinem Namen begangen wird?

Wenn ich Muslim wäre, würde ich weinen und Angst haben, weil die Argumente dieser hirnlosen Armee, die mit ihren unzähligen Schandtaten die Welt überrollen will, nichts von dem widerspiegeln, was ich in meinem Herzen trage. « Von welchem Gott reden wir da? » würde ich mich fragen. « Allah ist ein bequemer Vorwand! » Nur bin ich kein Muslim und kann nur mit meiner ganzen Kraft die Männer und Frauen unterstützen, die sich dem wahren Islam vom Herzen und in aller Stille hingeben – denn diese Menschen werden Tag für Tag von den Nachrichten im Fernsehen und auf unseren Tablets in gewisser Weise gekreuzigt, weil die ehrbare Quintessenz ihres Glaubens dabei völlig missachtet wird.

Spricht der mitfühlende und « nachdenkende » Christ in mir, wenn ich diese Worte sage? Nein, nicht einmal! Bin ich überhaupt ein Christ?

Ganz sicher nicht so einer, wie die Kirchen seit Jahrhunderten definieren… denn diese Art von Christen, durch zahlreiche Lügen, starre Dogmen und Heuchelei konditioniert, ist mit Gewissheit keine Glanzleistung unserer westlichen Gesellschaft! Davon zeugen – falls unser Gedächtnis aufgefrischt werden muss – die tragischen und blutigen Kreuzzüge, die abscheulichen Gewalttaten der Inquisition, die Zwangsbekehrungen und andere Perversitäten, selbstverständlich alle im Namen Christi!

Nein, wenn ich das Bedürfnis verspüre, mich hier über dieses Thema zu äußern, dann rede ich mit meinem Gewissen als Mensch, der ein bisschen gesunden Menschenverstand aufrechterhalten möchte.

Durch die Flamme, die in mir brennt – wie, ich hoffe, in vielen von Ihnen –, fühle ich mich wohl und habe keine Probleme mit den wahren Muslimen, den wahren Hinduisten, den wahren Buddhisten und allgemein mit allen wahren Vertretern von dem, « was ist und lieben will ». Vorausgesetzt, es handelt sich um Menschen mit Herz, die sich von der oberen Intelligenz leiten lassen.
Die Wahrheit des Göttlichen in jedem von ihnen? Sie ist nicht schwierig zu entdecken, wenn man weise genug ist, um überhebliche Worte zu vermeiden und sich nicht im mentalen Irrgarten der Unterschiede zu verirren. Die Wahrheit? Sie sagt uns nur, dass wir ein und dasselbe Volk sind… Wir müssen dies endlich verstehen. Ganz egal, ob man in blau, gelb, grün, rot oder lila gekleidet ist. Keine Farbe ist den anderen überlegen, keine Farbe ist der Sonne näher als die anderen. Und wenn alle Farben sich treffen und sich vereinen, dann entspringt auf ganz natürliche Weise das makellose Licht. Das lehren uns die Gesetze der Optik… Vielleicht werde ich im nächsten Leben Muslim, Shintoist, Jude, Animist oder auch Agnostiker… Das spielt keine Rolle!

Mein einziger Wunsch und das, was mich antreibt, ist es, eine etwas weniger primitive und karikaturenhafte Menschheit zu finden als die, die heute die Fäden zu ziehen scheint. Eine authentischere, verantwortungsvollere und liebendere Menschheit… Kurz, eine menschlichere Menschheit.

P.S. Natürlich hätte ich viel länger über ein solches Thema schreiben können. Ich hätte zum Beispiel über das Völkerkarma und folglich das Karma der Religionen sprechen können, da wir immer das ernten, was wir gesät haben – und das über Jahrhunderte und –tausende. Ich hätte auch das Gotteskonzept ausführlich behandeln können, um ihm seinen infantilen Beiklang zu nehmen. Ich hätte auch noch von Gläubigkeit, Glaube und Fanatismus reden können.

Aber wozu? Lange Reden nützen nichts im Angesicht des heutigen Standes von « Unmenschlichkeit ». Schauen wir lieber in uns hinein – da wo wir sind, an dem Punkt, wo wir uns gerade befinden – und geben wir das Beste von uns, ohne uns in diesen finsteren Reigen einzureihen…

Daniel Meurois, August 2014