8. Kapitel: Bilder vom Leben auf der Venus

(…). Unsere vereinten Astralkörper sehen sich jetzt plötzlich zwischen Himmel und Erde schweben. Unter ihnen sind kleine Täler, Wäldchen und Arabesken von Seen, die sich, wie es scheint, ins Unendliche erstrecken. Darüber ein gelbes, außerordentlich klares Gewölbe … es lässt an ein phantastisches Ranunkelblatt denken, das sich an seinen äußeren Rändern am Horizont safrangelb färbt. 

Alles ist so warm, so friedlich … Entlang von etwas, das an eine Wasserfläche erinnert, zieht eine Gruppe kleiner weißer Punkte unsere Blicke an. Sie bildet eine schimmernde Traube unter einer Sonne, die man vergeblich zu lokalisieren versucht. Augenblicklich trägt uns unser Wille, ohne dass wir es genauer definieren, in diese Richtung. Die Projektion unserer Körper geschieht blitzschnell und löst ein bislang unbekanntes Gefühl von Wollust aus. Die weißen Punkte sind jetzt unter uns. Wir zählen einige hundert von ihnen. Ihre sehr ähnlichen Umrisse gleichen kleinen Häusern mit Terrassendächern. Die Farbe ihrer Wände erinnert uns jetzt sehr präzise an Elfenbein. Sie ist ebenso sanft und glänzend. Was ist das? Welche heitere Gegenwart bewohnt diese scheinbar harmlosen kleinen Würfel? Ihre verwirrend einfachen Formen scheinen ein tiefes Wissen zu verbergen. Vergeblich suchen wir wirkliche Ecken oder Kanten. Die Anordnung der Mauern und der Bauwerke selbst hat eine katzenhafte Geschmeidigkeit. 

Alles ist Stille, und wir lassen uns jetzt an einem unsichtbaren Faden entlanggleiten, der uns dieser anderen Welt annähert. Wie soll man hier an die Venus oder an irgendeine Zivilisation im Weltraum denken? So viele futuristische Bilder in kalten Farben, hervorgebracht von einer Science Fiction mit metallischen Idealen, sind in den menschlichen Köpfen verankert. Sind wir nicht eher auf der Erde, in irgendeiner abgelegenen Gegend, oder vielleicht in einem der Universen der Seele …? 

“Brüder, Brüder, vertreibt die Stereotypen aus eurer Erinnerung. Schafft einen jungfräulichen Platz in euch und schaut wie Wesen, die verstehen werden. Jede Welt, jede Materie ist in gewissem Maße Schöpfung der Seele. Auch die Venus ist eine Welt der Materie, selbst wenn diese Materie in der Frequenz der Seele schwingt. Wenn Herz und Bewusstsein sich erheben, nehmen sie ihr Universum mit sich. Das geschieht nicht nur in Gedanken, sondern auch im Handeln, denn ein Wesen, das wächst, hat die Funktion, alles, dem es sich nähert oder das es berührt, zu läutern und zu veredeln. Eure Brüder von der Venus haben ihren Planeten im Laufe ihres Erwachens verwandelt. Ihre Erzeugnisse und die der Natur, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, haben sich im Rhythmus mit der Öffnung ihres Herzens ätherisiert. 

Ja, Freunde, die Venus ist ein Land der Seele … nicht der Seele, wie sie im Jenseits erscheint, sondern der Seele, die ganz konkret damit begonnen hat, zum Einen, Einzigen zurückzukehren … Ihr werdet es noch besser verstehen … 

Millionen von Jahren trennen den Planeten Erde von dieser Welt, das heißt, einige Blütenblätter mehr in der Blume des Bewusstseins. Wie ihr seht, haben wir einen Schritt auf die Einfachheit zugetan, auch wenn das nur eines der vielen Gesichter unserer Zivilisation ist. 

Hier ist die Reinheit der Linien von jeher ein sicherer Beweis für die Klarheit des inneren Weges gewesen. Wir sind diesem Weg so getreulich wie möglich gefolgt, nicht weil wir ihn einem anderen für überlegen hielten, sondern weil wir fühlen, dass sein Schema unserem Geist eingeprägt ist. Sich finden und sich treu bleiben, das ist der Schlüssel zum Aufstieg. 

Auf der Erde gibt es keine solche Einheit im Empfinden einer Richtung oder einer Sensibilität, denn die Seelen, die sie beherbergt, sind recht unterschiedlichen Ursprungs. Darin liegt eine der Hauptursachen von Schwierigkeiten, darin liegt jedoch auch der Trumpf, der es den Herzen möglich macht, an sich zu arbeiten wie nirgendwo sonst. Unsere Rolle ist, darauf zu achten, dass der Karren nicht aus der Spur gerät, und ganz gewiss nicht, anstelle der Menschen zu bestimmen, wohin er fahren soll. 

Merkt euch Folgendes: Auf diesem Planeten hier, den wir gleichzeitig als unsere Schwester und unseren Erben betrachten, werdet ihr wenig große Städte finden. Wir haben immer das Gefühl gehabt, dass Städte oder große Ansammlungen von Wesen tendenziell das Gefühl der Angst nähren. Wir wollen das nicht als absolute Wahrheit hinstellen. Es ist einfach das Ergebnis unserer persönlichen Beobachtungen überall im benachbarten Universum. 

Sehr selten versammeln sich die Wesen aus reiner Liebe. Die tiefere Motivation ist meistens Machtstreben und die Flucht vor ihrer Unwissenheit über sich selbst. 

Wahrer Kontakt mit dem Nächsten gedeiht in solcher Umgebung nicht. Er entsteht dann, wenn die Angst vor sich selbst verschwunden ist, wenn es einem gelingt, sich inmitten einer Wüste selbst ins Gesicht zu sehen. Wir wollen damit nicht Rückzug in die Einsamkeit predigen, sondern die Meisterung des Seins in der globalen Gesamtheit und die Überwindung falscher Sicherheiten. 

Wir leben also gern in kleinen Marktflecken, wie ihr es nennen würdet, wo genügend Seelen konzentriert sind, um den Austausch zu ermöglichen und wo er kein Hindernis für die Kommunion mit dem Kosmos darstellt, die die Natur bietet. 

Das ist ein Schema, Freunde, das sich möglicherweise modifizieren lässt, das man zweifellos verbessern kann, das uns jedoch erlaubt, auf der Suche nach dem Schönen voranzukommen. So ist unser Herz: auf das Schöne ausgerichtet, das heißt auf das Echte und nicht auf das Labyrinth seiner Nebenprodukte … 

Lasst euch von eurem Willen leiten und nähert euch jetzt diesen Behausungen. Auf diese Weise könnt ihr besser den Geist spüren, der uns beseelt.” 

Die Stimme verstummt mit diesen Worten, und ihre letzte Anweisung lässt uns augenblicklich aufhorchen. Woher kommt sie? Wo ist der Bruder mit den sehr langen Haaren? Die Antwort kommt sofort: 

“Was kümmert euch meine Gegenwart oder wer ich bin? Nur der Ton einer Stimme zählt vor allem. Er ist der Ausdruck des gesamten Wesens, und die authentischste Manifestation seines Lebens. Verlasst euch weder auf ein Gesicht noch auf ein Gewand, noch auf eine Herkunft, und nicht einmal auf die Schwingung, die von einem Wesen auszugehen scheint, sondern auf Das, was sie erzeugt.” 

Die kleinen elfenbeinfarbenen Häuser sind nähergekommen. Wir haben uns an unserer vertrauensvollen Hingabe entlang zu ihnen hingleiten lassen. Jetzt sind wir nur noch einige Meter von ihnen entfernt. Wir sind in ihre Aura eingedrungen, und ihre Energien breiten sich schon in unseren Seelen aus. Seltsame und mächtige Empfindung von Süße … Dies sind nicht nur ein paar Mauern und große kristallene Fenster, die weise zwischen den Baumgruppen und den blühenden Büschen angeordnet sind. Die Erde, beinahe gelb wie der Himmel, scheint aus einem weichen, vielleicht sandigen Material. Kleine Steine ragen hier und da daraus hervor, gekrönt von kurzen grünen Pflanzenbüscheln. Jede der Behausungen scheint selbst ein Stein zu sein, der soeben aus seiner Matrix herausgekommen ist und dann bis in die kleinste Einzelheit poliert wurde. 

Aus dieser Entfernung hat sich der erste Eindruck von starren Proportionen aufgelöst. Die Ecken sind abgerundet, und die leicht bauchigen Mauern bieten einen Gesamtanblick von absolut harmonischen Kurven. Bis jetzt hat sich noch kein Lebenszeichen gezeigt. Die kristallenen Fenster scheinen keine Blicke einzulassen, und die weitläufigen Wege, die die Gebäude miteinander verbinden, liegen verlassen. 

“Hier ist jetzt früher Morgen … unser Planet hat auch seine Tage und Nächte. Im Unterschied zur Erde sind die Nächte jedoch nicht dunkel. Der Himmel nimmt einen orangeren und weniger leuchtenden Farbton an. Das kommt daher, dass uns nicht dieselbe Sonne nährt wie die Menschen, oder besser gesagt, nicht derselbe Aspekt der Sonne. Sie nährt uns mit ihrer ätherischen Seite und erscheint deshalb nicht deutlich sichtbar am Himmel. Ihre Gegenwart dringt viel direkter in jedes der Atome ein, aus denen diese Welt besteht. Alles wird so nicht von außen belebt, sondern aus dem Herzen seiner eigenen Konstitution heraus. Diese Gegebenheit vermindert und verzögert das, was ihr Alterungsprozess und Tod nennt, beträchtlich. 

Es ist der Schwingungszustand, der sich über die Zeitalter hinweg in uns entwickelt hat, der dieses subtile solare Phänomen gestattet. Es bedeutet jedoch niemals mehr als einen Schritt auf unsere ursprüngliche Beschaffenheit hin. Wenn wir die wahre Energie unseres Kosmos erreicht haben, wird sich die Art, aus der solaren Quelle zu trinken, wiederum verändert haben. Wir wissen, dass wir ihre Kraft nicht mehr wie ein Feuer empfangen werden, sondern eher wie die aller Elemente in der Vereinigung. Diese Vorstellung ist mit irdischen Worten noch nicht auszudrücken. Ein Gespräch über die Tage und Nächte auf unserem Planeten lässt sich also nicht auf einfache Details beschränken. Der Wechsel zwischen den Polaritäten ist für uns auf einer anderen Ebene notwendig, auch wenn er dem der euren ähnelt. Jeder Himmelskörper durchläuft im Laufe seiner Entwicklung ähnliche Stadien. Unsere Schöpfungswelle wird den Ewigen Tag, das Absolute Licht erst in ihrer letzten Phase des Aufstiegs im jetzigen kosmischen System sehen. Eure Brüder von den Sternen nennen das den Zustand des Christseins. 

Ihr müsst jedoch wissen, dass niemand ewig an die langsame Entwicklung des Stromes der Menschheit gebunden ist, aus dem er stammt. Die wahre Einweihung, die die persönliche ständige Arbeit an sich selbst bedeutet, macht einen schnelleren Aufstieg in diesen Zustand der Sublimation möglich. 

Es gibt Wesen unter uns, die sich über das ‘gewöhnliche’ Venusbewusstsein hinaus erhoben haben, genauso wie es Erdenbewohner gibt, deren Herz sich aus der dichten Umklammerung ihres Planeten gelöst hat. 

Diejenigen aus unserem Volke, die sich vor achtzehn Millionen Jahren in ihrer Botschaft auf der Weißen Insel der Erde verwurzelten, sind unsere Brüder, die den Zustand des Christseins am weitesten in sich realisiert haben. Seid euch bewusst, dass nur die Liebe sie motiviert. Sie möchten nicht wie Götter verehrt werden. Sie haben das nie gewünscht und weisen diesen Gedanken mehr als alles andere von sich. Wir wiederholen noch einmal, dass sie den Menschen helfen wollen, sich selbst zu helfen. Und wenn die Zeit heute gekommen ist, mit ihrem Tun aus dem Schatten herauszutreten, um es wirksamer werden zu lassen, dann deswegen, weil die Große Sonne der Schöpfung die Möglichkeit gibt, mit größerer Reinheit zu empfangen. Wir erleben alle die Stunde eines göttlichen Umschwunges …” 

Während die Stimme diese Worte spricht und sie wie mit einem Steinschneider sorgfältig in unseren Geist eingräbt, verändert sich etwas an dem Schauspiel vor unseren Augen. 

Der Himmel erscheint nach und nach höher und nimmt belebende goldene Töne an. Wir haben den Eindruck, dass die Sonne aufgeht, und bemerken unzählige weiße Vögel, die am Fuße eines Dickichts im Boden picken. Dieses erste Element beseelten Lebens ist ein Glück für uns. Es ist das Bild eines einfachen Friedens, dieses Friedens, dessen man sich manchmal erst nach einem langen Weg bewusst wird. Und wenn der solare Aufstieg so begänne …? Ganz einfach. 

In diesem magischen Augenblick zwischen uns verstehen wir, dass man lange gehen muss, um zugestehen zu können, dass der so heiß ersehnte Schlüssel vielleicht am Anfang liegt. Zwischen Alpha und Omega winden sich das Ego und die Mäander des Ich … 

Ein plötzliches Geräusch lässt uns auf eine kleine kristallene Maueröffnung blicken, die sich erhellt und milchige Reflexe angenommen hat. Es ist eine Tür, denn eine Gestalt, bald darauf von zwei weiteren gefolgt, tritt daraus hervor. Die Empfindung, die wir dabei haben, ist so, dass wir eher an einen Energievorhang denken, an ein Lichtbündel, als an eine wirkliche Tür. 

“Das ist richtig”, sagt die Stimme des Wesens sofort. “Das Licht lässt sich ebenso leicht formen wie Holz oder Glas. Das Leben verdichtet oder verflüssigt sich je nach der Geschicklichkeit der Hände und der Reinheit der Herzen, die es empfangen.” 

Währenddessen gehen die drei Gestalten mit gleichmäßigen Schritten auf eine Gruppe von Bäumen zu, von denen einige in Blüte stehen. Es sind die Gestalten zweier Frauen und eines Mannes, alle mit langen, dichten blonden Haaren. Ihre Kleidung besteht aus einer schlichten und bequemen Kombination aus einem seidigen Material in orange überhauchtem Weiß. Das fließende Material unterstreicht deutlich die lange und schmale Figur der Wesen. 

Unsere Anwesenheit hat bis jetzt keinerlei Reaktion hervorgerufen. Sie scheint sogar völlig unbemerkt geblieben zu sein. 

Dreißig bis vierzig Meter von uns entfernt führt ein breiter Weg in ein kleines Tal hinein, in dem die Vegetation dichter ist. Unter den bläulichen Nuancen des Blattwerks nimmt eine Menge kleiner Flecken in tausend verschiedenen Pastelltönen den Blick gefangen. Die drei Wesen haben sich bald an diesem Ort versammelt und knien sich dann mit einer geschmeidigen Bewegung nieder, um den Boden zu Füßen zweier deutlich herausragender Bäume zu küssen. Dann erheben sie sich und strecken ihre Arme zu dem Blattwerk hinauf, das sie zu sich heranziehen. Während sie so die dichten Zweige durchstöbern, dringen merkwürdige Töne wie unverständliche Silben an unsere Ohren. Wir haben sofort den Eindruck, dass es die Elemente einer sehr lebhaften Sprache sind. Die Stimmen sind fein, und ihre melodische Linie oszilliert ständig in einer schwer auszudrückenden Weise zwischen tief und hoch. Es ist beinahe ein Lied, das zu uns herüberschwebt. Es hat eine frühlingshafte Energie, die ein mächtiges Gefühl von Fülle verbreitet. Wir verstehen nicht und sind beinahe unfähig, zu analysieren. Vielleicht soll das ja auch nicht sein. Manche Lebensformen enthüllen sich in ihrem Reichtum nur einer gewissen Unwissenheit. 

Während wir diesen melodischen Fluss in uns einsaugen, prägen sich jedoch ganz verstohlen Bilder in uns ein, irgendwo in der Nähe der Nasenwurzel. Sie tauchen plötzlich auf und zerspringen dann nicht weniger rasch in irisierende Reflexe … wie Seifenblasen … Vergeblich versuchen wir, sie in unserem Gedächtnis festzuhalten. Nur ein Durcheinander von Eindrücken von Farben und präzisen, aber unbekannten Umrissen bleibt bestehen. Ganz plötzlich scheinen wir endlich zu verstehen … etwas, was sich nicht mitteilen lässt, etwas, das andere Augen erfordert, andere Ohren und Keime von Ideen, die noch kaum in den Herzen erwacht sind. Vor diesem Lied und diesem heimlichen inneren Feenzauber fühlen wir uns klein, unglaublich reduziert angesichts dieses Liebespotentials, das zugleich so nahe und so fern von uns ist, so gegenwärtig, dass es spricht und spricht und spricht, immer noch und unaufhörlich … 

Langsam kommen die drei langen, seidigen Gestalten jetzt auf dem Weg zurück. Sie verschwinden einen Moment lang in den Tiefen des Tales und kehren dann, die Arme mit kleinen orangenen und gelben Formen beladen, zurück. Es sind Früchte. Wir meinen Äpfel und Mangos zu erkennen. Währenddessen ist ein viertes Wesen aus einem anderen Haus gekommen. Es ist männlichen Geschlechts und hält sich neben einem intensiv weißen Gegenstand auf, der an ein großes Luftkissenboot denken lässt, das vom Boden losgelöst und von einer leicht bläulichen, undurchsichtigen Kapsel bedeckt ist. Wir zweifeln nicht daran, dass es sich um ein Fahrzeug handelt, und das lässt ein Gefühl von Erstaunen in uns aufkeimen, vielleicht sogar von Enttäuschung, als ob diese Entdeckung zu sehr in bestimmte futuristische irdische Schemata passte. 

“Nein, Freunde, diese Bilder, die auf der Erde entwickelt werden, kommen nicht von ungefähr. Durch sie und durch die Künstler, die uns ihre Übersetzergabe zur Verfügung stellen, bereiten wir die Vorstellungen des ‘Möglichen’ für die zukünftigen Generationen vor. 

Das, was ihr Science Fiction nennt, hat diese Funktion gehabt. Wir sagen, es hat sie gehabt, denn das Licht eurer Welten entwickelt sich noch nicht ohne Schatten, und die Machtwünsche erlauben sehr wohl Exzesse, zu deren Werkzeug sich die schwere irdische Technologie macht. Ich versichere euch, die Herzen müssen von allen Schlacken der Macht geläutert werden. Die Meisterung der wahren Macht bedeutet, die Nacktheit vor dem unendlichen Licht zu meistern. 

Auf diese Weise haben wir gebaut. Auf diese Weise müsst ihr die Schönheiten betrachten, die diese Welt uns gestattet hat hervorzubringen. 

Eure Brüder von der Venus sagen euch, dass die Menschen die Science Fiction jetzt in ihren Bibliotheken lassen sollen. Die Andere Realität, die, die sie sich wünschen, ohne sich dessen manchmal selbst bewusst zu sein, winkt ihnen. Schon wirft sie ihren Hoffnungsstrahl auf sie. 

Es ist also nicht mehr Zeit zu träumen, sondern es ist Zeit, die Tore eines neuen Verstehens zu öffnen. Wir bitten euch, auf das Universum des Ganzen zuzusegeln, auf das Universum der Wahrheiten, die sich unaufhörlich erweitern. 

Möge so die Insel des ‘vielleicht’ verschwinden, mögen ihre Strände der Mittelmäßigkeit und ihre Ketten des Unmöglichen sich hinter euch auflösen. Möge das Sprungbrett, das sie ist, endlich keine Bitterkeit mehr in eure Herzen säen, sondern Dankbarkeit und Anerkennung. 

Erschafft das Mögliche in euch, weit jenseits der Grenzen dessen, was von vornherein für möglich gehalten wird. Erst dann werdet ihr es ins Universum projizieren und vor allem … euch selbst entdecken. Das soll kein Ratschlag sein, sondern ein Aufruf.” 

Die vier Wesen haben sich jetzt um das Fahrzeug herum versammelt. Eines von ihnen streichelt rasch über die undurchsichtige Haube, und ein kleines Strahlenbündel springt aus deren hinterem Teil. Sein Funkeln ist ein Wunder für die Augen, aber was uns am meisten erstaunt, ist zu sehen, wie es plötzlich abrupt endet, als ob es an eine unsichtbare Mauer stieße. Kaum aus dem Fahrzeug ausgetreten, ist der Lichtstrahl horizontal abgeschnitten, – eine Lichtsäule, die auf vollkommene Weise abgetrennt wurde. 

Während wir noch versuchen, die Szene genauer zu beobachten, strecken die Wesen ihre Arme zur Spitze der Lichtsäule empor und legen jeder, wie auf ein Tablett, die Früchte ab, die sie in den Armen tragen. Augenblicklich verschwindet Stück für Stück ihrer Ernte, offensichtlich von dem Lichtbündel verschlungen. An einem Punkt unserer Seele spüren wir die Elemente einer absoluten Logik hinter diesem Phänomen, es erscheint uns wie eine Art Selbstverständlichkeit. 

“Es ist eine der Arten, wie wir Transport- und Lagerungsprobleme lösen”, spricht die Stimme weiter. “Diese kleine Einzelheit unseres täglichen Lebens ist für euch nur insoweit von Interesse, als ihr beginnen könnt, das Licht anders zu sehen. So wie ihr Wellen dazu benützt, eine Stimme über Zehntausende von Kilometern zu transportieren, ist es uns ein Leichtes, mit Hilfe der Lichtwellen Materie von einem Punkt zum anderen oder von einer Dimension in eine andere zu transferieren. Es genügt, diese Lichtenergie anders zu begreifen. Die Lichtenergie ist eines der Stadien der Materie – unter welcher Form auch immer. Solcherart zeigt sie sich unendlich modellierbar und fähig, eine große Anzahl von Informationen und dichten Formen zu tragen. Sie dient uns also ebenso einfach als Unterstützung, wie die Radiowellen euch gestatten, zu senden und zu empfangen. Es handelt sich in der Tat um dasselbe Phänomen, nur auf einer anderen, greifbareren Ebene. Wenn ich mich darüber auslasse, dann deshalb, weil dies notwendigerweise eine Bedeutung auf dem Entwicklungsweg der Geister und der Seelen hat. Jede Lebensform muss unweigerlich über die Meisterung des Lichts gehen. Was ihr hier seht, ist jedoch lediglich eine Grundanwendung eines großen Gesetzes, dessen Meisterung auf wunderbare Weise die Herzen öffnet. 

Der Transfer von Materie auf verschiedene Ebenen ist natürlich nicht das Ziel, das es zu erreichen gilt. Es ist nur eine Anekdote auf dem Weg der Bewusstwerdung über die Gesetze, die uns zur Höchsten Quelle bringen. 

Versteht das gut. Während der ganzen Geschichte unserer Zivilisation haben wir uns bei allen Forschungen stets gefragt: Ist diese Entdeckung im Sinne der Erweiterung des Lebens? Ist es eine harmonische Folge seiner Entwicklung? Anders ausgedrückt, Freunde, wir wollen immer wissen, ob die verschiedenen Elemente unseres Fortschritts mit dem ursprünglichen Plan der Schöpfung übereinstimmen. 

Von dem Punkt, aus dem alles hervorgeht, entwickeln sich alle Möglichkeiten des Lebens und alle Formen einer bestimmten Schöpfung nach einer strengen und unendlich liebevollen göttlichen Logik. 

Wenn sich irgendein Geschöpf durch seinen freien Willen von dieser Harmonie entfernt, die jedoch unauslöschlich in ihm eingeprägt ist, dann bringt es damit das lückenlose Netz der Liebe durcheinander, die es mit dem Ganzen verbindet. 

Es verfängt sich dadurch im dichten Sumpf einer unaufhörlichen Abfolge von Ursachen und Wirkungen. 

Man muss das Herz auf den Plan der Quelle ausrichten, sagt das, und nicht der Welt die vielfältigen Vorstellungen unserer Egos auferlegen wollen, die von ihrer Quelle abgeschnitten sind. Erschaffen bedeutet wiederentdecken. Niemand kann etwas als seine eigene Idee ausgeben, was in der Natur seit aller Ewigkeit IST. Das, was die Wechselfälle des Evolutionsweges hervorbringt, ist, was das Geschöpf aus sich selbst heraus hervorbringt und dann nach seiner eigenen Logik oder seiner unkontrollierten Vorstellungskraft durchsetzt. 

Seht die Kristalle und die Blumen. Studiert ihre Zahlenstruktur und ihre Formen, in denen sie sich langsam entfalten und entwickeln. Ihre Zahlenstrukturen und Zeichnungen sind immer dieselben und stellen einen weiteren Aspekt des Lichtes dar … 

Stellt also eure Seele richtig ein, Freunde, denn ihr werdet hier keine Wunder sehen, nur die logischen Folgen eines Versuches, zur Reinheit und Einfachheit des Ursprungs zurückzukehren. Wir kennen keine technischen Heldentaten. In jeder unserer Arbeiten bitten wir das Leben, sich nach seinem heiligen Willen zu manifestieren durch unseren Geist, unsere Herzen und unsere Hände. Auf diese Weise bleiben wir auf dem richtigen Kurs, und das, was wir verwirklichen, bleibt in der Harmonie des Ganzen. 

Man muss lernen, der Vorstellung von ‘Licht’ keine Begrenzungen aufzuerlegen. Das Phänomen des Lichts beruht nicht nur auf der Tatsache der Sonne, der elektrischen, atomaren oder anderen Kräfte. Es hat seinen Ursprung vor allem in der Akasha, im Od oder im Prana. 

Die Arbeit der Liebe im Zentrum des Herzens der Menschen löst auch einen Lichtprozess und damit einen Prozess des Transfers des Wesens auf andere Ebenen aus. Auf diese Weise dynamisiert die aktive und nicht egozentrische Meditation die physischen und ätherischen Kanäle im menschlichen Gehirn, insbesondere im Bereich seiner Adergeflechte. Sie erzeugt hier konkret und feinstofflich ein Phänomen der Phosphorisation, das die erste Stufe der edlen Erleuchtung darstellt.” 

Die Stimme ist immer sanfter geworden und hat sich nach und nach aus unserem Inneren zurückgezogen. Sie hinterlässt eine schöne und große Welle der Ruhe, einen mächtigen Eindruck intimer Kommunion mit den Tiefen des Universums. Hier ist eindeutig die Brücke geschlagen zwischen dem Dichten und dem Feinstofflichen. Sie verbindet die beiden Zwillingsufer, zwei Welten, die unsere Herzensschwäche einander noch ignorieren lässt. 

Eine Kraft, deren Wurzel irgendwo in der Mitte unseres Rückens sitzt, zieht uns plötzlich nach hinten. Die vier Wesen, das Fahrzeug und die in den kleinen Tälern verlorenen Häuschen und Obstgärten entfernen sich mit blitzartiger Geschwindigkeit. Eine beinahe spürbare Hand scheint uns an sich zu ziehen und führt uns in der Stille … Wir sind jetzt wie ein einziges Auge, wie ein einziges Bewusstsein, das ein paar Schritte vom Boden entfernt durch riesige Hochwälder gleitet. Es gibt dort keinen anderen Weg als den, auf dem wir dahingleiten und der uns vermutlich vorgezeichnet ist. Bald kommt ein Ufer, eine Wasserfläche und sein lilafarbenes, gekräuseltes Wasser, dann wieder ein Wald mit unbekannten Düften, ein Gipfel, an dem er hängt und von dem er schließlich ins Tal hinunterführt. Die Stämme haben riesige Schuppen und strecken ihre Zweige wie titanische Arme weit in den Himmel. Manche lassen wahre Girlanden von Blau oder Rot fast bis zum Boden hinunter hängen. Es sind Blütentrauben, die sich ineinander verschlingen. Sie ziehen unsere Seelen an, und beim Näherkommen entdecken wir, dass sie voller Bienen sind. Reichtum und Riesenhaftigkeit des Weltenbeginns. Unser Herz wird leer oder füllt sich aufs Neue, wir wissen es nicht. Das Denken ist zur Ruhe gekommen, und die unerklärliche Gewissheit zu verstehen verankert sich immer tiefer in uns. Die Stämme, wie riesenhafte Kandelaber, stehen jetzt weiter auseinander, und unser Weg führt uns zum Eingang eines weiten Tales, in dem die etwas gebändigtere Vegetation sich mit langen und hochaufstrebenden Formen vermischt. Es sind Gebäude. Manche erheben sich majestätisch in das Gelb des Himmels und lassen an treppenförmige Türme denken, andere, die horizontaler stehen, präsentieren schraubenförmige Linien. Ein Wille hat unsere Fahrt plötzlich zum Stillstand gebracht, und unsere Blicke durchforschen diese makellosen Silhouetten. Welch schlichte Harmonie in diesem zunächst so vielfältigen Anblick! Wir bemerken einige elegante Viadukte, die sich wie die Verzweigungen eines Nervensystems in alle Richtungen ausbreiten. Nichts stört hier das Auge, und seltsamerweise bemerken wir sogar etwas Natürliches in alledem. 

Langsam können wir wieder näher herankommen. Zu Füßen der Gebäude herrscht ein gewisses Leben. Es ist ein friedliches Treiben, ein wenig ähnelt es dem unserer Dörfer. Die Mehrzahl der Wesen, in Kleider oder weite weiße oder pastellfarbene Kombinationen gekleidet, bewegen sich zu Fuß voran. Nur einige Fahrzeuge, die in jeder Hinsicht dem gleichen, das wir schon gesehen haben, bringen ein leicht technologisches Element in dieses Schauspiel. Sie schweben still dahin und zirkulieren elegant zwischen den Fußgängern. Die Regelmäßigkeit und die Anmut ihrer Bewegungen lassen vielleicht zu Unrecht an die Existenz eines unsichtbaren Kommunikationsnetzes denken. 

“Dies ist die größte unserer Siedlungen …” 

Der heitere Fluss der Stimme ist wieder irgendwo in uns anwesend. 

“Haltet euch nicht mit dieser Ästhetik auf. Sie kann euch nicht viel lehren. Jeder Planet hat künstlerische Besonderheiten, je nachdem wie seine Grundschwingung ist. 

Lasst dies also, Brüder. Ich möchte euch eher zeigen, wie unsere Welt tief innerlich funktioniert. Darin könnten die Menschen der Erde eine Quelle der Inspiration finden. Ich möchte jedoch noch einmal sagen, dass es nicht so sehr darum geht, es zu imitieren, als die ewigen Prinzipien daraus zu entnehmen, die sich für die Erde, die jetzt geboren wird, anwenden lassen. 

Ich muss hinsichtlich der Zeit dieses Planeten und eurer körperlichen Hülle bestimmte Notwendigkeiten beachten, deshalb lasst mich euch jetzt unverzüglich von unserer Welt erzählen. 

Versteht zunächst, dass wir, wenn wir ‘unsere Welt’ sagen, damit auch unsere Galaxie meinen. Wenn das Bewusstsein sich erweitert und man seine höheren Zustände entdeckt, dann begreift man auch, dass nichts abgegrenzt werden kann. Deshalb wird die Venus von unserem Volk nicht als Besitz betrachtet, sondern als vorübergehendes ‘Zuhause’. Sie ist ein einfaches Haus, das wir unterhalten und in das wir bei jedem Aufstieg gern wiederkommen. 

Sie ist nicht unser Gut in dem Sinne wie die Irdischen diesen Begriff vielleicht verstehen. Sie ist eine der Mutterwurzeln unseres Herzens. Durch sie haben wir gelernt, und wir sehen in ihr keine auf Gedeih und Verderb ausbeutbare Energie, die uns gehört. Das ist ein Grundgedanke, Brüder, der viel mehr umfasst, als man sich vorstellt. Und ich kann euch versichern, dass die Menschen, wenn die Idee des Besitzes nicht so ständig in ihren Herzen präsent bliebe, einer bestimmten Art von Rost weniger ausgeliefert wären. Die Irdischen müssten vielleicht verstehen, dass sie in gewissem Sinne ebenso sehr der Erde gehören, wie diese ihnen gehört. Mit der Absage an die Vorstellung von Besitz wird eine der Schichten des Ego abgelegt. Wir haben dafür keinen systematischen oder ideologischen Standpunkt eingenommen, sondern es ist uns vor Millionen von Jahren mit der Macht einer Offensichtlichkeit bewusst geworden, dass es eine unablässige Vorbedingung ist, wenn sich Harmonie entfalten soll. Es scheint sicher, dass Besitzlosigkeit die ursprüngliche göttliche Vorstellung ist. Das heißt nicht, dass alle Güter und Produkte des Lebens wahllos verteilt werden. Ein solches Verständnis würde bedeuten, alle Elemente der Schöpfung denen zum Fraß vorzuwerfen, die sie nehmen können. Die Anwendung der Besitzlosigkeit setzt eine bestimmte seelische und körperliche Reife voraus, sowie einen ständigen und ausgewogenen Austausch unter allen Mitgliedern eines Volkes. Dieses Streben nach dem Ideal hat zu einer bestimmten Form von Gemeinschaftsleben geführt. Unsere Vorstellung von Gemeinschaft ist jedoch weit von denen entfernt, die bis jetzt auf der Erde entwickelt wurden. Autonomie und Freiheit eines jeden Wesens sind die Vorbedingung für die Explosion des Lebens, die der Kosmos auf jedem Himmelskörper hervorbringt. Von dieser Grundlage ausgehend, ist der Eckpfeiler unserer Zivilisation die unerschöpfliche Energie des Gebens. Geben setzt die bedingungslose Abschaffung der Prinzipien von Kauf und Verkauf voraus. Es hat mit einer finanziellen Organisation irgendwelcher Art folglich nichts zu tun. Wir sind um ein Tauschsystem herum harmonisiert, im höchsten Sinne, den dieser Begriff zu bieten hat. Jeder produziert in unbegrenzter Anzahl das, was sein eigenes Naturell ihn zu produzieren drängt, und stellt es einer Art gemeinschaftlicher Bank zur Verfügung, aus der er seinerseits schöpfen kann. Das ist natürlich nur eine vereinfachte Darstellung, aber Komplexität ist auch nicht in unserem Sinne. Wir kennen keine administrative Macht, und der willkürliche Despotismus von Gesetzen ist uns fremd. Die Voraussetzung dafür, dass das Tauschprinzip gut funktioniert, ist die Abkehr von jedem Streben nach Macht oder Profit in den Wesen. Keiner von uns würde irgendeinen von ihm entdeckten Reichtum nicht freudig mit allen teilen. 

Ich möchte damit nicht behaupten, dass wir einen Zustand sozialer Vollkommenheit erreicht haben, aber wir haben erreicht, dass die Herzensqualitäten eines jeden von uns jeden Gedanken an Zwietracht hinwegfegen. 

Auf diese Weise wird alles, was manchmal den Eindruck unüberwindlicher Probleme des Gleichgewichts oder der Energieverteilung erwecken könnte, rasch beseitigt. Ich kann euch wie meine Brüder von Shambhala versichern: Wenn das egoistische ‘Ich’ vergessen wird, erstrahlt die Wurzel des Glücks im Herzen eines Jeden in ganz neuem, reinem Lichte. 

Besitze dich selbst, entblößt von allen Verhärtungen, und der Kosmos wird dir dazugegeben. 

Diese wenigen Worte schmücken die Front eines der wenigen Tempel, die auf diesem Planeten erbaut wurden. Sie verleihen unserem Willen Ausdruck, eins zu sein mit dem Prinzip, das uns beseelt. Sie bestätigen überdies die höchste Wichtigkeit des Austausches von Herz zu Herz – des tragenden Prinzips der venusischen Zivilisation. (…).

Aber lasst euch weiterführen. Wir haben beschlossen, euch zu einem Platz am anderen Ende dieser Stadt zu bringen …” 

Augenblicklich verschwimmt alles. Wir schwanken wieder zwischen allem und nichts. Es erscheint uns wie das Auge eines Zyklons von Zärtlichkeit. Er hat uns mitten in seine tausend Zungen von Licht gezogen, die uns blitzartig in einem langen Gang absetzen … Seine Wände sind von einem sanften und leicht mit Adern durchzogenen Rosa, das an Marmor erinnert. Er ist trapezförmig, die Basis ist länger als die Oberseite. Wir denken an antike Tempel und ihre Galerien der Einweihung … 

Die Wände, an denen wir entlanggleiten, sind Stein gewordene Stille, sie verbreiten einen geheimen Zauber. Ganz am Ende winkt ein lebhaftes Licht in safrangelben Farbtönen, das eine majestätische Treppe erleuchtet. Sie führt uns alsbald ins Freie. 

Ein feiner Rasen entrollt seinen Teppich bis zum Gipfel eines breiten Hügels, von dem ein großes Gebäude aufragt. Seine eindrucksvollen Ausmaße und sehr luftigen Umrisse erinnern an nichts, was man auf der Erde kennt. Es ist wie eine Symphonie von Säulengängen, von nackten Wänden und Kuppeln, deren Glanz an den des Mondes denken lässt. Eine Menge von Wesen gehen rasch die Stufen hinauf und hinunter. Die Musik ihrer Stimmen dringt tief in unsere Seelen und explodiert in fremdartigen, unübersetzbaren Garben. Es kommt uns vor, als ob wir alles verstehen, aber doch in einem Leim gefangen wären, der uns daran hindert, zu formulieren … Eine Gewissheit drängt sich uns jedoch auf und nimmt einen Namen an, einen Namen, den ein unbewusstes Wissen zur Klarheit werden lässt … der Tempel der Genesung! 

“Tretet ein, Brüder …” 

Während die Stimme erneut die Tore unseres Herzens öffnet, lässt eine Art Windstoß in einem Wimpernschlag die Szenerie auftauchen. Unglaubliche Wendigkeit der Seele, die sich mit einem Flügelschlag schwingt, wohin die Gedanken sie führen … 

Unser Wille hat uns in einen riesigen Saal mit makellosen Wänden gebracht, in dessen Mitte eine lange blaue Flamme aus einem Becken gerade und beinahe unbeweglich zu einer amethystfarbenen Kuppel aufsteigt. Viele Alkoven sind tief in die Wände dieses Raumes eingelassen, der stark an eine Moschee erinnert. 

Wir treten näher, denn unaufdringliche Gestalten gehen in gemessenen Bewegungen hin und her. Es sind Männer und Frauen, die offensichtlich bestimmte Positionen einnehmen. Sie befinden sich alle um einen nackten Körper herum, der zu schlafen scheint. Die Gegenwart des Wesens ist jetzt an unserer Seite zu spüren. Es bleibt stumm, und wir betrachten diese Szene mit der Achtung, die man intuitiv für etwas empfindet, das man als heilig erkennt. Es bedürfte der Kunst eines Malers oder Musikers, um die ganze Anmut des langsamen Balletts der schwebenden Hände zu beschreiben, die sich über den liegenden Körpern bewegen. Sie streifen ihn und entfernen sich dann wieder – nicht nach einem genauen Plan, sondern einem Weg folgend, den das Herz kennt. Das ist die Empfindung, die uns überflutet. Sie lässt uns spüren, dass wir hier stehenbleiben müssen, vielleicht im Herzen einer kleinen Kugel, in der der Friede noch greifbarer ist und in der es viel zu lernen gibt … 

Alles erscheint einfach und von frühlingshafter Wärme. Wir lassen uns in ihren Schleiern fangen, und bald kommt durch irgendein Wunder der Kommunion die äußere Natur zu uns. (…). Wir haben jetzt das Gefühl, wirklich in den kleinen Kreis dieser Männer und Frauen eingetreten zu sein, die einen der ihren heilen. Unsere Anwesenheit hat nichts verändert, und doch sind wir beinahe sicher, dass sie sie bemerken. Es ist ein wenig, als ob eine spirituelle Familie uns für einen Augenblick in ihrer Mitte aufgenommen hätte. Es ist uns nicht mehr genug, nur Zuschauer zu sein. Etwas in unserer Seele möchte handeln. Es ist ein Impuls, der unermessliche Kraft verleiht, der zum Handeln zwingt, dessen Existenz man nicht nur dulden kann. 

Um uns herum liebkosen die Hände und die wellenförmig sich bewegenden Finger unablässig von nahem oder weitem die Aura des ausgestreckten Körpers. 

Es ist der Körper einer sehr athletischen Frau. Ihre Gesichtszüge sind friedlich und lassen kein Zeichen von Krankheit oder Leiden erkennen. 

“Freunde … Freunde, hier kann es keine Krankheiten geben. Es gibt hier nichts als die symptomatischen Keime einer Disharmonie, der wir augenblicklich Einhalt gebieten. Unsere inneren Unvollkommenheiten lassen noch manchmal zu, dass sich an der Oberfläche unserer feinstofflichen Körper Lücken bilden. Jeder kann sie selbst entdecken, wenn das geschieht. Wir haben gelernt, in unsere Seele einzutauchen und zu erforschen, inwieweit sie dem Großen Plan des Lichts Widerstand leistet oder vielmehr mit ihm im Einklang ist. Meistens heilen wir uns in einem Fall von Schwäche selbst. Wir weben dann durch den Willen und durch die Wiederausrichtung von für dissonant gehaltenen Gedanken eine Art von Verbänden. Nur die Jüngsten von uns kommen hierher, und ihre nächsten Brüder helfen ihnen, ihre Unvollkommenheit einzugrenzen, lange bevor sie sich wirklich manifestiert. 

Seid euch dessen bewusst, dass diese Arbeit der Wiedereinstimmung der Körper, an der ihr hier teilnehmt, unendlich weit von dem entfernt ist, was ihr ‘Magnetismus’ nennt. Der innere Vorgang ist vielleicht für manche ähnlich, aber die invozierten Ideen sind ganz anders. Wir arbeiten niemals mit den Strahlungen des Äthers, nicht einmal mit denen der Naturelemente. 

In Wahrheit arbeiten wir gar nicht wirklich. Wir machen uns in diesem Fall ein Glück daraus, unser Bewusstsein dafür zu öffnen, dass wir Werkzeug werden. Es gibt eine Kraft, Freunde, eine Kraft, die im Universum der Universen noch alles auflöst, was unsere Liebe sich von ihrer Quelle vorstellen kann. Diese Kraft ist es, deren Bewahrer und Verkünder unser Bruder, der Christus, ist. Nichts anderes als diese Kraft rufen wir in dem Akt der Heilung zu uns. Wir versuchen einfach, sie durch uns zu leiten, ohne ihre heilenden Qualitäten auszufiltern. Niemand kann etwas geben, was ihm an Wissen und an Weisheit nicht gehört. 

In besonderen Augenblicken des Betens und Handelns wie diesem erscheint also die Durchlässigkeit der Geister und der Seelen der einzige Lohn und der einzige Beweis für eine gute Übermittlung der Heilenergien. 

Wir sind keine allmächtigen Wesen, und die Menschen der Erde, unsere Brüder, können ebenso leicht Ähnliches tun. Jeder empfindende Teil eines Körpers kann den höchsten Balsam übertragen, seien es die Hände, die Augen, das Herz oder irgendeines der Zentren. Allein die Reinheit der Absicht bestimmt darüber. 

Jeder Mensch, der sich vom Schatten entfernt, ist im Grunde seines Herzens bereits Priester. Möge er also wissen, dass er bei jedem Schritt, den er tut, ein wenig mehr zum Heiler der Wunde werden kann – durch seine Fingerspitzen oder durch das Feuer seines Blickes. Niemals kann man die Vorstellung von Heilung vom Weg des Lichts trennen. Sie sind ein und dasselbe, denn in Wahrheit ist die Hauptkrankheit, von der wir jeden Tag ein wenig mehr genesen, unsere Entfernung von der Großen Sonne der Universen. In diesem Stadium muss jedes persönliche Streben nach Erfolg erlöschen, versteht das wohl. Auch ist diesen Ratschlägen keine Technik zu entnehmen. Eine rituelle Geste lässt sich nur als Hilfslinie verstehen, auf die das noch embryonische Bewusstsein sich stützt. In Wirklichkeit baut der Kanal der Liebe allein die Medizin des ganzen Körpers des Wesens. Mögt ihr dies in euch behalten wie einen Punkt der Stille … Denkt nun nicht, dass wir die Menschen der Erde dazu aufrufen wollen, sich in ein Volk von Heilern zu verwandeln. Wir rufen sie mit den Bruderschaften des Himalaya dazu auf, endlich zu dem Tor zu werden, durch das ganz einfach das Leben geht. Das ist nicht schwerer zu verwirklichen, als es ist, einen Schlüssel in einem Schloss zu drehen. Wir werden es unaufhörlich wiederholen, ohne jedoch etwas Besseres tun zu können, wenn ihr es nicht auf euch nehmt, die Mauern des Mentalen und des Egoismus zu unterhöhlen …”

Neben uns geht in demselben kristallinen Pfeifen das Ballett der wogenden Hände weiter. Gelegentlich scheint es Formen erstarren zu lassen, die wir nicht erkennen können, oder im Gegenteil, Goldpailletten auftauchen zu lassen. Stunden könnten so in diesem Hafen des Friedens vergehen. 

Ein Wille zieht uns indessen zu sich hin. Ein plötzliches Zusammenziehen in der Mitte unserer Brust lässt uns seine beherrschende Kraft spüren. Die Wesen, die schöne blaue Flamme und die Kuppel aus Amethyst lösen sich auf. Unter uns bleibt nur der Tempel in seiner Gesamtheit und riesige Bäume, wie die Pfeiler einer Kathedrale. Auf den Stufen der großen Treppe kommen und gehen noch immer weiße Gestalten. Manche bleiben stehen und bilden kleine fröhliche Grüppchen. Wir erkennen kaum ein paar Fahrzeuge, die hier und da unter dem Blätterwerk stehen und die Umrisse der Stadt, die in einiger Entfernung am Fuße einer Hügelkette auftauchen. Vom Horizont erhebt sich eine Kette von leuchtenden Punkten wie Sonnen gerade in den Himmel hinauf, scheint dann dort ein wenig zu schweben, bevor sie verschwindet. Nur das Wasser der Seen scheint noch einen Augenblick lang seine Reflexe zu behalten. 

“Dies hier ist ein vertrautes Bild, Brüder … Unsere Raumschiffe sind zweifellos auf dem Weg zur Erde oder ihrer nahen Umgebung. Die Bruderschaft unterhält eine wichtige Basis auf der verborgenen Seite eures Mondes und auf eurem Planeten selbst. Das ist unsere sicherste Möglichkeit, euch zu beobachten, euch zu helfen, wenn es nötig ist, und die Richtlinien der kommenden Gärten zu pflanzen, alles unter Wahrung eures freien Willens. (…).

Wir sagen euch, es nützt nichts, Sonden auszuschicken, um unsere Universen zu besuchen. Sie liefern euch nur relative Gegebenheiten einer Welt, die wir nicht bewohnen. Sie werden Bilder eines Planeten sammeln, dessen gesamte Zivilisation sich durch die Qualität ihres Denkens auf eine andere Schwingungsebene begeben hat. Was eure fleischlichen Augen von der Venus sehen können, ist das Skelett ihrer vergangenen Lebenszyklen. Die Rolle und Entstehung unserer Monde ist hier nicht von Bedeutung. 

Mögen die Menschen der Erde aus tiefstem Herzen versuchen, zu erkennen, dass sie am Anfang einer phantastischen Explosion der Grenzen stehen … Mögen sie endlich aufhören zu urteilen! Die Laserstrahlen und die Wunder eurer Elektronik sind Spielzeug, über das ihr eines Tages lachen werdet. Sie sind nichts als kleine Perlen, die ihr aus euren Persönlichkeitsschalen gewonnen habt. Wir möchten euch so viel weitergehen sehen, denn wir wissen, dass das eure Bestimmung ist. 

Es gibt eine Große Sonne, der man keinen Namen geben kann. Wenn ihr ihr in der Tiefe eurer Nächte gut zuhört, dann bittet sie euch einfach, die Liebe, die ihre Strahlen bedingungslos schenken, zu teilen. Sie ist es, die euch die Tore eures Zuhauses öffnen wird – jenseits des Labyrinths …” 

 

 

Die Reise nach Shambhala. Eine Pilgerfahrt zu sich selbst.

256 Seiten

Silberschnur Verlag

ISBN 978-3-96933-113-2