1. Autopsie eines Krieges 

Eine der ersten Fragen, die die Heilpriester im Alten Ägypten Echnatons ihren Patienten stellten, lautete: “Gegen wen oder gegen was befindest du dich im Krieg?” Und ganz ähnlich fragte Christus häufig die Menschen, die bei Ihm Heilung suchten: “Sag mir: Wer ist dein Feind?” 

Diese Fragen, die uns heute eher verwundern, geben uns eine Vorstellung davon, wie man in jenen Zeiten den Krankheitsbegriff sah. 

Natürlich wird ein so begrüßter Patient direkt an der Wurzel gepackt und aufgefordert, “Tacheles” über sein Leben zu reden. Man sieht sich zuerst nicht seinen Körper, sondern seine Seele an, und das ändert alles. 

So war es in den Bruderschaften der Altägypter und Essener unüblich, sofort ein Symptom “unter die Lupe” zu nehmen. Vielmehr hatte man im Sinn, sich der oft stummen Welt der Ursachen zuzuwenden. 

Es ist leicht verständlich, dass Disharmonien im Körper die Folge eines inneren Krieges sind, die ein Wesen (oft unbewusst) gegen einen Umstand, andere und insbesondere sich selbst führt. Warum insbesondere? Meiner Meinung nach hat der Meister Jeshua in einem privaten Gespräch mit einigen Jüngern den Grund am besten erklärt: 

“Sehr oft höre ich euch andere Menschen oder eure Lebensumstände beschuldigen, wenn Krankheit Besitz von euch ergreift. Ihr seid voller Unverständnis, findet es ungerecht und nehmt es mitunter sogar eurem Himmlischen Vater übel. Doch welche Verblendung das ist, meine Freunde! Und welcher Mangel an Achtsamkeit für das, was euch auf eurem Weg begegnet! Seid nicht ihr es, die ihr jeden Lebensumstand und jede Begegnung selbst herbeigeführt habt? Stimmt es etwa nicht, dass ihr heute hier vor mir steht, weil ihr Entscheidungen getroffen und eure Schritte in eine bestimmte Richtung und nicht in eine andere gelenkt habt? Ich bin euer Lebensumstand … für eine bestimmte Form von Gesundheit.
Hört mich an und glaubt mir … Wir sind immer auch Lebensumstände füreinander, Einzelteile eines gigantischen Spiels, die wir zu uns heranziehen oder von uns abstoßen. Ich will damit sagen, dass wir alle füreinander Gelegenheiten sind, zu wachsen oder auf der Stelle zu treten.
Wir sind die Ereignisse, durch die wir uns gegenseitig formen und neu formen.
Auf diese Weise führen wir selbst unsere Gleich- und Ungleichgewichte herbei. Unsere Gesundheits- und Krankheitsereignisse sind Früchte unserer Entscheidungen. Andere, die wir beschuldigen, sind immer nur der Vorwand, hinter dem sich unsere Verblendung und Unkenntnis verbergen. Der Feind, wisst ihr, ist immer etwas, das wir erhöhen und beharrlich in uns selbst nähren … und den wir vollständig erfinden, denn in Wahrheit existiert er nicht.
Seht mich an und versteht mich … Ich weiß um meine Widersacher, aber ich habe keine Feinde. Nichts in mir und um mich herum kann im Krieg sein, weil ich nichts benenne, das bezwungen oder erschlagen werden soll. Meine Gesundheit erzählt von meinem Frieden. Ich webe meinen Frieden und erfinde mich immer wieder neu, ewig und unangreifbar unter der Sonne.”

Im Grunde erzählt uns diese Ansprache nur von einer einzigen Sache: vom Gefühl des Einsseins, das dem physiologischen und psychologischen Gleichgewicht jedes Menschen zugrunde liegen muss. 

Tatsächlich war die Wahrnehmung des Einsseins mit uns selbst und der Welt die Grundlage von Gesundheit, so wie sie in den hier beschriebenen Traditionen verstanden wurde. Nach dieser Sichtweise war ein Kranker also jemand, der in eine Falle getappt war: in die Falle der Dualität und Trennung. 

Die Entzweiung und Disharmonie, die daraus entstanden, wurden daher als Verursacher von Schrammen im Bewusstsein betrachtet, die sich bis hin zu den dichtesten Körpern erstreckten. Mit anderen Worten war man der Auffassung, dass die Verwurzelung eines Konfliktzustandes im Wesen fast zwangsläufig zu Gesundheitsbeschwerden führte. Auf dieser Ebene kommt das durchaus dem modernen Begriff der “psychosomatischen Erkrankung” nahe. 

Doch das traditionelle Krankheitsverständnis ging noch weiter. Es anerkannte und erforschte eine bedeutend größere Dimension unseres Universums: den menschlichen Geist und den Energiespeicher, den er darstellt. 

Da unsere moderne Welt begonnen hat, Hirnwellen zu messen, beansprucht sie ihre Entdeckung für sich. Doch in Wahrheit hat sie nur ein anderes Wort und ein paar Zahlen für eine Wirklichkeit gefunden, die schon die Altägypter kannten. Sie und ihre Nachfahren wussten sehr genau, dass schon das Denken allein Kräfte in Bewegung setzt, denen es, auch wenn sie nicht greifbar sind, nicht an Einfluss und Macht auf unser Leben fehlt. Sie waren der Auffassung, dass jeder Mensch von einer psychischen Lebensströmung umgeben war, die ihn überallhin begleitete und die er natürlicherweise auch in seine Umgebung ausstrahlte, aber in die er vor allen Dingen eingehüllt war und von der seine Gesamtgesundheit abhing. 

 

2. Der Gedankenspeicher 

In diesem Bezugssystem gab es auch noch einen weiteren Aspekt. Die Heiler von einst gingen davon aus, dass das Energiefeld der menschlichen Aura (denn darum geht es hier) sich in ständiger Interaktion mit dem Universum befindet. Tatsächlich wussten sie um die Existenz einer immensen planetaren Aura, auf die sämtliche Auren (also die gesamte psychische Aktivität) der Bewohner des Planeten einwirkten. 

In diesem Sinne existierte für sie “über” unserer sichtbaren Welt ein Universum (von vielen), das mit einem riesigen Gedankenspeicher vergleichbar war. Diese riesige “Kornkammer” hatte wiederum zahlreiche Abteilungen. In diesen waren jeweils alle Saaten einer Sorte eingelagert. 

Nach diesem Konzept befindet sich also auf einer bestimmten Schwingungsebene versammelt die energetische Masse aller unserer zornigen Gedanken, auf einer anderen Ebene die unserer liebevollen Gedanken, auf einer weiteren die unserer hasserfüllten Gedanken und so weiter, bis die ganze Bandbreite ausgeschöpft ist, die der Mensch im Guten wie im weniger Guten zu bieten hat. 

Jede dieser Abteilungen entspricht dem, was wir traditionell einen Egregor nennen oder moderner als morphogenetisches Feld bezeichnen. Es ist Empfänger und Sender zugleich, ein Sender, mit dem ein Mensch sich in Resonanz bringt, wenn er einen bestimmten Gedanken- und Konzentrationszustand des Bewusstseins in sich trägt. 

Einfacher ausgedrückt sagten die Menschen der Antike: “Hege Zorn, und du wirst von Zorn überflutet, erzeuge Liebe, und du wirst von Liebe genährt. Wenn du also Konflikte schürst, werden Konflikte in dich herabsteigen, aber wenn du Freundlichkeit säst, kann dein Weg nur mit Eintracht gepflastert sein.” 

 

3. Eine Kraft namens Kohärenz 

Heute möchte man darauf gerne erwidern, dass diese Sichtweise viel zu simpel ist, da ja jeder aus seinem Umfeld Beispiele von Menschen mit einem guten, gesunden Verhalten kennt, die aber trotzdem nicht von Krankheiten verschont bleiben. 

Diese Tatsache entging natürlich auch den Heilern von einst nicht. Ihr Verständnis des Problems beruhte auf dem Kohärenz-Prinzip. 

Sie waren der Auffassung, dass – ungeachtet der Bewusstseinsstufe und somit des Verhaltens eines Menschen – sein inneres Gefühl von Unangreifbarkeit, Selbstsicherheit und die Folgerichtigkeit in seinen Ansichten wie ein solider, widerstandsfähiger Panzer wirkte, der erst gar keine Schwingungsstörungen aufkommen ließ. 

Nach dieser Vorstellung genügt es, dass ein Mensch sich selbst als kohärent und unerschütterlich sogar in seinen aggressiven Manifestationen wahrnimmt, um von Krankheit verschont zu bleiben. Einfach ausgedrückt könnte man sagen, dass den Altägyptern und Essenern zufolge manche Menschen fähig waren, zugleich ihr eigenes Gift und Gegengift zu erzeugen. 

Wenn Heiler also einen Patienten ansprachen und zu seinem “inneren Krieg” befragten, war das nicht einfach nur eine rituelle Frage. Ihre Kunst des Zuhörens lag darin herauszufinden, welche Kohärenz in den Antworten des Erkrankten lag. 

Und tatsächlich müssen wir uns eingestehen, dass viele Menschen nie mit sich selbst im Reinen leben. Einerseits ist da ihr Selbstbild, ihr Idealbild, wie sie sich selbst gerne sehen wollen, und andererseits das, was sie wirklich umsetzen können, also die Wirklichkeit, die sie tagtäglich leben. Der Grad der Kohärenz oder Kohäsion misst sich also nach der Beziehung zwischen der inneren und äußeren Welt eines Wesens. 

Auch wichtig zu verstehen ist, dass dieser Grad der Kohärenz (oder Inkohärenz) öfter, als man meint, in der Verantwortung des Menschen selbst liegt. Natürlich lässt es sich nicht verallgemeinern, da jeder von uns seine ganz eigene Geschichte hat, aber zumindest können wir durch ein Abwägen, wo wir im Leben stehen, vermeiden, einer verbreiteten Krankheit zu verfallen, die versucht, alle anderen Krankheiten zu legitimieren … der Opferitis. 

 

4. Krankmachende Wesenheiten 

Kommen wir nun auf den Begriff des Egregors oder des Gedankenspeichers zurück, in dem sich einige Abteilungen befinden, die voller vergifteter Saaten sind. Für sie hatte die Bruderschaft der Essener eine besondere Methode entwickelt. 

Wohlgemerkt ging diese Methode nicht aus irgendwelchen Gedankenspielen hervor, die nur darauf abzielten, einem bestimmten Bezugssystem gerecht zu werden. Auch war sie kein Sammelsurium von Hypothesen abergläubischer Priester. Sie war das Ergebnis direkter Erfahrungen großer Mystiker, die es vermochten, ihr Bewusstsein sehr weit über unsere sichtbare Welt hinaus zu projizieren. 

Diesen Mystikern war es gelungen, die Zusammensetzung des ätherischen Universums und der dortigen Egregoren der Menschheit zu ergründen. Nachdem sie diese Egregoren (und ihre “Schichten” oder Abteilungen) immer wieder studiert hatten, waren sie zu der Erkenntnis gelangt, dass die Energiemasse, die von zahlreichen gleich gearteten Gedanken erzeugt wird, schließlich oft von embryonalen Lebensformen bewohnt und kontrolliert wird, die meist den niedrigsten Ebenen der astralen Welt oder der ätherischen Welt selbst entstammen. Aus diesen Erkenntnissen heraus erklärten sie die Entstehung der Mikroorganismen, die wir heute im Allgemeinen als Mikroben oder Viren bezeichnen. 

Vergessen wir nicht, dass der Begriff des unendlich Kleinen und des Lebens, das darin wohnt, nicht erst seit der Erfindung der Mikroskope existiert. Die atomare Struktur der Materie wurde schon im antiken Griechenland von Epikur offen thematisiert und sogar bereits vor 10000 Jahren von einem indischen Yogi namens Kanada erwähnt. 

Für die Heiler der Essener wurde eine infektiöse Krankheit somit von einer Art Seele kontrolliert, auch wenn dieser Begriff wohl übertrieben ist. In Wirklichkeit sprachen sie eher von der Intelligenz und der relativen Autonomie bestimmter “psychischer Saaten”. Deren mehr oder weniger große Giftigkeit lag diesen Heilern zufolge daran, dass sie mit einer Art primärem Bewusstsein verbunden waren, das schließlich Entitäten aus ihnen machte, mit denen man lernen musste sich zu arrangieren. Daher griffen sie manchmal auf bestimmte Rituale zurück, die wir heute als magische Rituale einordnen. 

Aber was ist Magie anderes als die Wahrnehmung und Kenntnis der innersten Natur unseres Universums und das Wissen darum, wie man sie durch geschicktes Taktieren mit all ihren Rädchen meistert? Es ist nicht die Wissenschaft des unendlich Kleinen, sondern des unendlich Subtilen. Diese Richtung, die ungewöhnliche Fähigkeiten erfordert, möchte ich hier aber nicht weiter verfolgen. Vielmehr möchte ich einige Schlüssel zum besseren Verständnis geben, um unser Begriffsfeld zu erweitern. 

Die Essener hoben sich ganz klar von den Altägyptern dadurch ab, dass ihnen magische Rituale zuwider waren. Ihnen war mehr an Schlichtheit gelegen. In diesem Sinne ist das Erscheinen des außergewöhnlichen Heilers Jeshua in ihrer Mitte ganz offenkundig der Inbegriff von allem, wonach ein menschliches Wesen in einem solchen Bereich streben kann. 

Was das betrifft, werden mir immer wieder Fragen zu der Heilmethode gestellt, die der Meister selbst anwendete. 

War es wirklich die Methode der Bruderschaft, in der Er aufgewachsen war? 

Im Wesentlichen und in ihren Grundzügen ja. Aber die Ausrichtung und Entwicklung seiner Körper war so beschaffen, dass jedes technische Element aus seiner Heilpraxis verschwand. Mit heutigen Begriffen und vereinfachend gesprochen würde man heute sagen, dass es für Ihn ausreichte, an Seine Höheren Vehikel eine Botschaft auszusenden und deren Antwort dann an die feinstofflichen Körper des Wesens weiterzugeben, die Er behandelte, um einen Heilungsprozess in Gang zu setzen. Meistens ging das so einfach, wie wir heute mit Menschen am anderen Ende der Welt telefonieren. 

Vor diesem Hintergrund ist es also wichtig, daran zu denken, dass die einzelnen Techniken in diesem Buch zunächst einmal Orientierungspunkte sind, eine Methode zur Selbstdisziplin. Sie haben denselben Nutzen wie die Linien in einem Schulheft, sind wie Geländer oder eine ausgestreckte Hand, um nicht abzudriften. Aber auf keinen Fall sind sie unvermeidliche Bestandteile einer absoluten Methode … denn sie alle sind zu überwinden. 

Auszug aus dem Buch »Heilmethoden der Antike«, 3. Kapitel, Seite 47 – 56.

 

© Daniel Meurois: Heilmethoden der Antike. Von den Ägyptern bis zu den Essenern – eine Einführung in die Therapie. 

 

 Das kostbare Geschenk unserer Gesundheit ist das Ergebnis eines subtilen Gleichgewichts zwischen Seele und Körper. Dies ist eine grundlegende Wahrheit, die wir erst heute wiederzuentdecken beginnen. Wer möchte nicht erfahren, nach welchen Gesetzen dieses Gleichgewicht funktioniert und in sein geheimnisvolles Zusammenspiel eindringen? Das vorliegende Buch beschreibt die energetischen Heilmethoden der Altägypter und Essener. Es enthält wichtige Hintergrundinformationen für das allgemeine Verständnis sowie die konkrete Behandlung. Dank zahlreicher Illustrationen und einfacher, mit Anekdoten versehener Erklärungen eröffnet das Buch jedem – ob Therapeut oder nicht – zweifellos neue Horizonte und Möglichkeiten, das energetische Heilen zu praktizieren.

160 Seiten, Silberschnur Verlag, ISBN: 978-3-96933-132-3