Die Bösartigkeit als solche existiert, das ist Fakt.

Oh, ich spreche nicht von derjenigen, die regelmäßig Schlagzeilen macht und sich tagtäglich in Form tausenderlei Gewaltakte überall auf dem Planeten Ausdruck verleiht. Diese trägt für mich eher den Namen der Barbarei oder Monstrosität.

Nein, ich spreche von der “kleinen, gewöhnlichen Bösartigkeit”, welche ganz banal tagtäglich in der Luft liegt und einen jeden infizieren kann: Die des perfiden Tratsches, der scheelen Seitenblicke und verletzenden Handlungen, zu denen wir immer wieder in noch allzu großer Zahl fähig sind, sowohl in unserem Lebens- als auch in unserem Arbeitsumfeld.

Sie verhält sich wie eine Art Virus, gegen das keinerlei Impfstoff zu existieren scheint.

Das Erstaunliche dabei ist, dass man für sie allerlei Entschuldigungen findet, so in der Art von “Das ist doch nur menschlich!”, “Niemand ist perfekt.” oder auch “Das ist mein gutes Recht!”.

Ein jeder scheint ihr Dasein in vielerlei Gestalt gleichsam als ein gegebenes Schicksal hinzunehmen und das Zusammenleben mit ihr ohne größeres Aufhebens als normal anzusehen, so wie man es mit dem Unkraut im Garten hält.

Ich persönlich muss gestehen, dass mich diese Art der Feststellung oder Haltung angesichts dieses verderblichen Übels, welches unsere Spezies befallen hat, stets zu einer Reaktion veranlasst. Ich kann mich damit nicht abfinden. 

Ich habe mich immer gefragt, wem sie letzen Endes im Großen und Ganzen derart von Nutzen sein mag, auf dass nichts jemals in unseren Gesellschaften unternommen werde, um ihren Wildwuchs einzudämmen und ein Heilmittel gegen das „Alltagsgift“ zu finden, welches sie verbreitet. Liegt irgendeine Wonne darin, sich in übler Nachrede zu ergehen und Verleumdungen zu verbreiten?  Besteht eine böswillige Befriedigung darin, wegen jeder Kleinigkeit zu lügen und so Situationen zu manipulieren? Bereitet es eine geheime Freude, im Leben zu täuschen und allerlei Haken zu schlagen, um sich den Eindruck verschaffen zu können, hier und dort mal zu den Ersten zu gehören?

Manchmal frage ich mich, ob diese „kleine, gewöhnliche Bösartigkeit“ nicht das Ergebnis einer äußerst langen und tief verwurzelten kulturellen Prägung ist. Einer Kultur, die uns – manche mehr als andere – bis in die Zusammenstellung unserer DNA hinein davon überzeugt hat, das Leben sei lediglich ein immerwährender Kampf, in welchem jeder Schlagabtausch seine Berechtigung finde.

Es scheint mir, dass der Hebel genau an dieser Stelle angesetzt werden muss. Eben hier ist sogar dringend ein Handeln erforderlich, während unsere heutige Welt an lauter “linken Hieben“ und Egoismus erstickt.

Es ist die Rede von „Bewusstseinswandel“, von einer „großen Transformation“ unserer Spezies und ihres Planeten; man spricht von einer „neuen Ära“ und einer unvermeidbaren „Revolution der Geisteshaltungen“; manche wagen es sogar, uns eine Bewegung des geistigen Aufstiegs zu verheißen … All das ist gut und schön, aber wer spricht ganz schlicht von den tausenden Dinge des Alltags, die zu tun oder zu lassen zunächst einmal der Mut gefunden werden müsste, um „lediglich“ zu besseren Menschen zu werden, zu Männern und Frauen, die nicht mehr nur um sich selbst und um ihre Bedürfnisse nach lokaler Pseudo-Macht kreisen?

Ein für alle Mal Abstand zu gewinnen von all der Schäbigkeit, den Lügen, den Heucheleien, den “linken Seitenhieben” und allen Arten der Tyrannei, kurz von der ganzen quälenden Palette der Boshaftigkeiten: Wäre dies nicht zuvorderst die Aufgabe, der wir uns verschreiben sollten?

Diese “Läuterung” unseres inneren und sozialen Wesens ist dringender denn je an diesem kaum zu leugnenden Scheideweg, an dem wir heute stehen.

Warum also diese Bösartigkeit? Wie kamen wir dazu, mit ihr zu spielen, als würden wir gerade mal ein paar Tischtennisbälle hin- und herschlagen? Das ist die eigentliche Frage …

Vielleicht bedürfte es ganz schlicht des individuellen Eingeständnisses, dass wir uns in eine kollektive Sackgasse gestürzt und diese in hinreichendem Maße erkundet haben und dass es an der Zeit wäre, zu einer anderen Lesart des Lebens zu finden … Und dies eben nicht nach unseren eigenen Regeln und Verordnungen, sondern mit dessen ureigenem Vokabular und Gesetzen des Gleichgewichts.

Schwierig? Zweifelsohne … Jedoch bin ich überzeugt, dass uns gar keine andere Wahl bleibt. Eine bessere Welt zu schaffen liegt mitnichten in der alleinigen Verantwortung der von uns gewählten oder passiv hingenommenen Regierenden. Es liegt zuallererst in der unsrigen, indem wir uns zum Großreinemachen in unserem eigenen inneren Universum entschließen.

Aus unserer Kleingeistigkeit herauszufinden, unsere Seelen zu reinigen und ihnen ihre ursprüngliche Bestimmung sowie die belebende Natürlichkeit des wahren Lächelns in Erinnerung zu rufen – hier liegt unsere letztgültige Herausforderung! Das ist keine Frage des Glaubens, sondern der Vernunft! Ich meinerseits bin an diesem offenkundigen Wendepunkt unserer Entwicklung in keiner Weise daran interessiert – im Gegensatz zu der vielleicht von manchen gehegten Vermutung -, die Existenz der Seele, der feinstofflichen Welt oder gar Gottes zu beweisen. Mein tatsächliches Engagement ist ein anderes.

Ich glaube an die ausdrückliche Notwendigkeit, uns gleichsam von innen heraus zu „desinfizieren“. Hierfür wirke ich und hierfür ergreife ich das Wort, denn eines ist gewiss: Die Welt, in der wir wandeln, wird niemals etwas anderes als das Spiegelbild derjenigen sein können, die wir tief in unserem Herzen nähren.

Wir erwarten von ihr, dass sie uns Frieden, Lebensfreude, Liebe, Fülle und Glück bescheren möge? Also lasst uns diese Saat in unsere Worte und Taten pflanzen!

Und wenn wir sogar beginnen würden, auch von Güte zu sprechen?

Das Wort „Güte“ ist heutzutage rar geworden, und seine innere Bedeutung umso mehr – sogar in den Kreisen, die sich selbst als spirituell verstehen!

Wollen wir, dass sich das ändert? Möchten wir diese Güte in uns und um uns herum säen?

Der Ball liegt ganz eindeutig bei uns!

© Daniel Meurois